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Putla - Junge ohne Lachen (Schwule Kurzgeschichten) Martin Frank

Putla - Junge ohne Lachen (Schwule Kurzgeschichten)

Martin Frank

Published February 22nd 2012
ISBN :
Kindle Edition
24 pages
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 About the Book 

Putla: Ein kleiner, schmaler, dunkeläugiger Bub mit dem üblichen Skinhead osteuropäischer Heiminsassen, der mit gesenktem Kopf vor sich hin stierte. Bohu, der Filmemacher, stellte ihn mir vor - Putla gab mir die Hand ohne aufzublicken - und bot ihnMorePutla: Ein kleiner, schmaler, dunkeläugiger Bub mit dem üblichen Skinhead osteuropäischer Heiminsassen, der mit gesenktem Kopf vor sich hin stierte. Bohu, der Filmemacher, stellte ihn mir vor - Putla gab mir die Hand ohne aufzublicken - und bot ihn mir auch gleich an, denn bei den Dreharbeiten habe ich ihn genügend gehabt. Er liess ihn im Kino neben mir sitzen, wobei, um mich zu ermuntern, Bohus Freund Jürgen, der einen Platz weiter sass, mir über Giorgis Kopf hinweg erklärte, dass Putla keine Gefühle habe, er ist eine Maschine. Beim offiziellen Essen danach, erzählte Bohu - alles immer vor Putla, der etwas Deutsch verstand - dass gemäss Putla im Waisenhaus die Grösseren und die Wärter ihn an schlechten Tagen zehnmal am Tage, aber in guten Wochen nur ein paarmal pro Woche zusammengeschlagen und vergewaltigt hatten. Ich bestellte für ihn, was hier statt Cola verkauft wurde, und er trank mit wissendem, unhöflichem Grinsen. Bohu fragte mich - immer alles vor Putla - wie mir der Bub gefiel, und ich sagte, nicht schlecht. Putla folgte mir so fraglos, als hätte ich ihn gekauft- er sass neben mir, stumm duldete er, dass ich ihm im Dunkeln den Arm um die Schultern legte, selbstverständlich das Eis essend, das ich ihm kaufte, ohne Dank, das Gesicht, in dem zwei unsichere Augen flackerten - sobald das Licht anging, - aggressiv abgewendet. Verschiedene Filmleute kamen auf uns zu und gratulierten ihm zu seinem Filmdebüt- er grinste frech, und auf die Frage, was er weiter mache, antwortete er mit einem so rüden Scheisse!, dass jedem Frager die Lust verging, weiter mit ihm zu sprechen. Er begleitete mich zynisch komplizenhaft wie ein Grossstadtstricher, der vorher noch zum Essen eingeladen wird, zum Bankett, das Stunden dauerte, mit Reden, denen keiner zuhörte, der normalen Gerüchteküche über zwanzig Tische. Putla sass mit gesenktem Kopf neben mir, bis ihn das endlose Geschwätz einlullte und er, nun mit naivem Kindergesicht, langsam gegen meine Schulter rutschte.